Leseprobe: Einleitung

Leseprobe

Chinas Auswärtige KulturpolitikNapoleon prophezeite einst: „Wenn China erwacht, wird die Erde beben.“ Nach selbstgewählter Isolation, die Jahrhunderte währte, hat China in den 1980er Jahren einen erfolgreichen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. China ist mittlerweile der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in Asien, umgekehrt ist es Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. Zudem ist China im Jahre 2010 zum neuen Exportweltmeister aufgestiegen. Aber nicht nur Chinas Wirtschaftskraft hat sich in den letzten Jahren entwickelt. Auch seine Außenpolitik hat eine bedeutende Wende erfahren. Heute ist das Land zusätzlich auf einem weltweiten kulturellen Vormarsch. China meldet selbstbewusst seine neue Rolle im internationalen System an.

Im November 2004 wurde das erste Konfuzius-Institut in Seoul gegründet. Die chinesischen Sprach- und Kulturinstitute kennzeichnen Chinas Bestrebungen, die chinesische Sprache im Ausland zu fördern, die internationale kulturelle Zusammenarbeit zu pflegen und ein neues Chinabild zu vermitteln. Während die öffentliche Zielsetzung zur Gründung der Institute, wie z. B. der Abbau von kulturellen Missverständnissen, nahe liegt, verbergen sich eventuell noch weitere Motive hinter der Expansion. Dennoch verspürt China mit seiner Außenpolitik keinen missionarischen Drang. Es verfolgt eine Außenpolitik, die schlicht nur dem Vorteil des eigenen Landes dienen soll. Um ein harmonisches außenpolitisches Umfeld zu schaffen, nutzt China in jüngerer Zeit hierfür seine Softpower und Public Diplomacy. Es versteht diese Elemente als einen wesentlichen Bestandteil der staatlichen Außenpolitikstrategien. Dies ist vorausschauend, da die Zivilgesellschaften eine immer wichtigere Rolle bei der Gestaltung der internationalen Beziehungen spielen. Aber auf welche Weise das Land seine Kultur im Ausland präsentieren will, welches Bild wie vermittelt werden soll, wird derzeit durch China erforscht.

Durch die Gründung der Konfuzius-Institute rückt die Auswärtige Kulturpolitik Chinas in das Interesse der westlichen Medien. Sprach- und Kulturinstitute wie das deutsche Goethe-Institut, das British Council (Großbritannien) oder das Alliance française (Frankreich) hegen zwar die gleichen Ziele, haben ihren Ursprung aber in demokratischen und freien Systemen. Das autoritäre System Chinas widerspricht dem westlichen Selbstbild. In China gibt es aber nicht nur einen „Sozialismus chinesischer Prägung“, sondern nun auch eine „Auswärtige Kulturpolitik chinesischer Prägung“, die im Ausland um Anerkennung wirbt. Das außenpolitische Handeln in Bezug auf Taiwan, fortdauernde Menschenrechtsverletzungen, wie die Inhaftierung des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo und weitere nationale Probleme wie die „Tibet-Frage“ sind keine Exportschlager und streuen ein negatives Bild im Ausland. Die traditionelle chinesische Kultur und die wirtschaftlichen Leistungen des chinesischen Volkes besitzen im Westen aber durchaus Anziehungskraft.

Ziel dieser Arbeit ist die kritische Analyse des chinesischen Konfuzius-Instituts in Deutschland als Instrument der Auswärtigen Kulturpolitik Chinas. Vier Kriterien stehen dabei im Fokus: Über die Struktur des Konfuzius-Instituts gibt das chinesische Bildungsministerium als oberstes staatliches Organ alle Direktiven vor. Die Finanzierung des Konfuzius-Instituts ist anders als die der deutschen, französischen oder britischen Institute aufgeteilt auf die Universitäten des Gastlandes und die chinesische Regierung. Dies bedeutet nicht nur eine Einsparung der Fördergelder von chinesischer Seite, sondern nutzt auch als Vorteil den bereits bestehenden „Markt“ an interessierten Studenten und könnte somit grundlegend auf die zukünftige Elite des Auslandes Einfluss nehmen. Die Tätigkeitsfelder beziehen sich auf die Vermittlung der chinesischen Sprache und Kultur durch deutsche und chinesische Lehrkräfte. Die Ziele der chinesischen Regierung sind noch nicht klar einzuordnen. Eine positive Auswirkung der Bestrebungen auf Chinas wirtschaftliche Bindungen, das Image und seine Diplomatie ist durchaus möglich.

Die vorliegende Arbeit zum Konfuzius-Institut nimmt dabei als Leitfaden drei zentrale Fragen: Wie gestaltet die chinesische Regierung ihre Auswärtige Kulturpolitik? Wie ist das Konfuzius-Institut als Instrument der Auswärtigen Kulturpolitik Chinas konditioniert? Welche Ziele verfolgt China mit der Gründung der Konfuzius-Institute?

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