Leseprobe: Der „friedliche Aufstieg“/ Chinas Softpower

Besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Förderung der chinesischen Kultur im Ausland und dem Wunsch nach der Stärkung der internationalen Rolle? Wang bejaht diese Hypothese. Er interpretiert die „peaceful rise”-Strategie („friedlicher Aufstieg“ 和平崛起 heping jueqi) als den chinesischen Wunsch nach mehr Akzeptanz seiner wachsenden Macht durch das Ausland. Um diese mit Selbstwertgefühl verbundene Anerkennung verbuchen zu können, muss China sich als hilfreiches, freundliches und verantwortungsbewusstes Land darstellen.

Im Gegensatz dazu glaubt Kurlantzick, dass diese „peaceful rise” Public Diplomacy-Strategie wirklich auf dem Streben nach Frieden basiert, zumindest zu den direkten Nachbarn. Denn Chinas Wirtschaftswachstum profitiere von einem friedlichen Umfeld. Nach der anfänglichen Unterstützung durch die Führungskader verlor der Ausdruck „friedlicher Aufstieg“ im Jahre 2004 an Geltung und der Begriff „Friedliche Entwicklung“ (和平发展 hepingfazhan) trat an seine Stelle. Laut Hartig lässt sich der Grund für diesen Wandel nicht belastbar nachvollziehen, da Partei und Regierung trotz zunehmender Transparenz nicht erklärungswillig und pflichtig sind. Eventuell liegt die Sorge, mit dem Begriff „Aufstieg“ negative Assoziationen in Asien oder den USA zu schüren, dem Begriffswechsel zugrunde. Nach Meinung vieler weiterer Wissenschaftler sind die wichtigsten Ziele der chinesischen Public Diplomacy, das Ausland von den friedlichen Absichten Chinas zu überzeugen, die Sicherung von Ressourcen im Interesse des rasanten Wirtschaftswachstums fortzusetzen und parallel Taiwan dabei zu isolieren.

 

Das Image des großartigen Lehrmeisters Konfuzius und die Ideale seiner Staatsphilosophie prägen das Bild, das China jetzt dem Rest der Welt, auch durch die Namensgebung der Institute, vermitteln will: Harmonie mit anderen Ländern, eine tugendhafte Regierung, gegenseitiger Respekt, Loyalität, Menschlichkeit und Zurückhaltung. Dieses Moralsystem des Konfuzianismus sollte eine harmonische Entwicklung Chinas fördern. Die chinesische Softpower-Strategie ist dergestalt unwirksam, wenn sie lediglich auf der Kulturvermittlung durch die Konfuzius-Institute beruht. Das Haupthindernis, das dem Erfolg der chinesischen Public Diplomacy in den Industrienationen Grenzen setzt, ist die fortwährende Verletzung von Menschenrechten in China. In der Tat wird China durch ein weltweites Nachrichtensystem an den Pranger gestellt, dass durch westliche Länder dominiert und durch westliche Weltanschauung und Konzepte geprägt ist. Trotz Chinas Public Diplomacy, die auf einer belegbar friedlichen Intention beruht, betrachten die westlichen Nationen das autoritäre Regime daher weiterhin misstrauisch.

Chinas kultureller Vormarsch

Das Konfuzius-Institut in Deutschland als
Instrument Auswärtiger Kulturpolitik der VR China

von Lara Scheele

Dieses eBook basiert auf der Diplomarbeit von Lara Scheele und wurde mit der sehr guten Note (1,0) am Lehrstuhl für Internationale Politik und Außenpolitik der Universität zu Köln bewertet.

Erschienen: Köln, April 2011
Sprache: Deutsch
104 Seiten, 192 Quellen

Das eBook können Sie hier für 34,90€* downloaden:


Nach der Bezahlung mit Paypal
erhalten Sie automatisch den Link zur pdf-Datei.

* Gemäß der Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG verzichten wir auf die Erhebung der Umsatzsteuer. Es kommen keine weiteren Kosten auf Sie zu.

Hier geht’s weiter zur: Leseprobe: Einleitung